Informationen zur Reform der Psychotherapie-Richtlinie ab 1. April 2017

Am 1. April 2017 wird die novellierte Psychotherapie-Richtlinie umgesetzt und damit der größte strukturelle Wandlung der Richtlinienpsychotherapie seit deren Bestehen eingeleitet.

Wir wollen Sie über die wichtigsten Änderungen informieren. Da die Umsetzung aber für alle Beteiligten inkl. der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Krankenkassen Neuland ist, werden wir erst in einigen Monaten wissen und beurteilen können, was wie gehandhabt werden wird. Insofern sind unsere Informationen vorläufig und ohne Gewähr. Die BPtK wird die Umsetzung der neuen Richtlinie voraussichtlich mittels Befragungen evaluieren, um zeitnah notwendige Änderungsprozesse initiieren bzw. begleiten zu können.

Leider wissen wir immer noch nicht, wie die neuen Leistungen vergütet werden. Der Bewertungsausschuss wird hierüber erst Ende März 2017 entscheiden. Erst dann werden die Vergütungssätze bekannt sein. Eine angemessene Vergütung und ein angemessener und schlanker Umgang mit der Bürokratie wird entscheidend dazu beitragen, ob wir Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (KJP) die neuen Richtlinie auch mit Leben füllen können. Um die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland und Bayern zu verbessern, sollten wir jedoch versuchen, trotz der nachvollziehbaren Kritik an manchen Stellen die neuen Leistungen anzubieten und vorzuhalten. Durch die Einführung der Sprechstunde wird die Aufgabe der KJP erweitert. Dies führt einerseits zu Mehrarbeit, die entsprechend zu vergüten ist, aber auch dazu, dass unser Aufgabenfeld wächst. Wir werden künftig mehr als jetzt erster Ansprechpartner sein, der in der Versorgung koordinierende und behandlungsführende Aufgaben zu übernehmen hat. Die Akutbehandlung sieht vor, dass wir in Krisen oder, um Wartezeiten zu überbrücken, zeitnah ohne Antrag bei der Krankenkasse behandeln können. Die Leistung muss nur angezeigt werden. Auch der breitere Einbezug des sozialen Umfelds von Kindern und Jugendlichen ist möglich. Aus fachlicher Sicht kaum nachvollziehbar ist jedoch die Aufteilung der KZT in zweimal 12 Stunden-Blöcke. Auch wenn die KZT künftig generell von der Gutachterpflicht befreit ist, steigt der bürokratische Aufwand. Eine Evidenz, die begründen ließe, warum man die KZT in zwei Blöcke aufteilt, gibt es aus unserer Sicht nicht. Den fachlichen begründeten Behandlungsstandards wird auch die Rezidivprophylaxe nicht in vollem Umfang gerecht, da sie von den Therapiekontingenten abgezogen wird und zu einem Zeitpunkt beantragt werden soll, an dem noch nicht über deren Notwendigkeit entschieden werden kann. Aber alles in allem: die Verantwortung, die wir Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten übernehmen, wächst. Und dieser Herausforderung sollten wir uns stellen!

Wir haben Sie bei unseren Informationsveranstaltungen umfassend über die neuen Regelungen, die ab 1. April 2017 gelten, informiert. Die Folien unserer Vorträge, die wir dort gehalten haben haben, finden Sie hier zum
download.

Alles, was in der Neufassung der Richtlinie aufgeführt ist, dort aufgeführt ist, gilt auch für KJP. Es gibt aber einige
Besonderheiten für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Diese finden sie hier komprimiert zusammengefasst:

  • Soziales Umfeld: Neu ist, dass künftig „relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld“ in die Behandlung einbezogen werden können. Damit sind zum Beispiel neben den Eltern auch Lehrer oder Erzieher gemeint, die unmittelbar und regelmäßig mit der Erkrankung des Patienten konfrontiert sind.
  • Altersgrenzen: Im Sinne der Richtlinie sind Kinder Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind; Jugendliche, die 14, aber noch nicht 21 Jahre alt sind. Außerdem: Eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie muss nicht mit dem 21. Geburtstag enden. Sie kann fortgeführt werden, wenn dies dem Therapieerfolg dient. Grundsätzlich haben Patienten ab 18 Jahren aber Anspruch auf eine Erwachsenentherapie – dann gelten die Regelungen für Erwachsene. Hier gibt es keine gravierende Änderung. Es dient aber der Klarstellung, dass KJP bis zum vollendeten 21. Lebensjahr behandeln dürfen und in Einzelfällen auch darüber hinaus.
  • Psychotherapeutische Sprechstunde: Bei Kindern und Jugendlichen können im Krankheitsfall (= vier Quartale) bis zu 250 Minuten Psychotherapeutische Sprechstunde durchgeführt werden, 100 Minuten davon auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit des Kindes oder Jugendlichen.
  • Probatorische Sitzungen: Es sind zwei bis sechs probatorische Sitzungen erlaubt. Relevante Bezugspersonen können einbezogen werden.
  • Rezidivprophylaxe: Bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden können maximal 10 Stunden, bei 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rezidivprophylaxe genutzt werden.
  • Kontingente und Bewilligungsschritte:
tabelle kjp

Im Rahmen der Behandlungsempfehlungen, die am Ende der Sprechstunden den PatientInnen zu übergeben sind, spielen auch aktuelle Behandlungsleitlinien eine Rolle. Hier ein aktueller Überblick über die Leitlinien zu psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
Weitere Informationen zur Strukturreform der Psychotherapie in der ambulanten Versorgung finden Sie auch auf der Homepage der KBV: siehe: http://www.kbv.de/html/26956.php
 
Eine Vorabversion der neuen Vordrucke für die Beantragung psychotherapeutischer Leistungen im Rahmen der vertragsärztlichen bzw. –psychotherapeutischen Versorgung, die ab 1.4.2017 anzuwenden sind, inkl. einer Ausfüllhilfe können Sie hier zum download finden: http://www.kbv.de/media/sp/PTV_Ausfuellhilfen_komplett.pdf. Die Softwarehäuser für die Praxisverwaltungsprogramme werden diese Formulare in ihren Quartalsupdates berücksichtigen, so dass sie Ihnen voraussichtlich auch dort ab 1.4.2017 zur Verfügung stehen werden. 

Eine hilfreiche graphisch gestaltete Kurzzusammenfassung der neuen Leistungen für KJP sind hier zu finden:
http://www.kbv.de/media/sp/Psychotherapie_RL_Uebersicht_KuJ.pdf

… und zu guter letzt; Hier finden Sie das "Praxis-Info der BPtK zur Psychotherapie-Richtlinie:
http://www.bptk.de/uploads/media/bptk_praxis-info_psychotherapie-richtlinie_web_final.pdf


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