Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Bei den Veranstaltungen des Bündnis KJP Bayern - Wahlvorschlag 2 in München, Nürnberg und Würzburg ist darüber informiert worden, dass künftig am Ende der Sprechstunde eine Diagnose, aber auch eine Empfehlung für eine Weiterbehandlung ausgesprochen und dokumentiert werden muss. Dabei ist auch über die Rolle der Leitlinien gesprochen worden. Dies nehmen wir zum Anlass, Sie kurz über die aktuelle Leitlinienentwicklung für KJP zu informieren.

Die Leitlinien der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärztinnen und PsychotherapeutInnen zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sollen für mehr Sicherheit in der Medizin und Psychotherapie sorgen. Sie sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die Leitlinien sind für ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen rechtlich nicht bindend. Für die Behandlung bleibt der einzelne Patient, seine Erkrankung und Präferenzen, das Maß der Dinge. Die Aufgabe der/des PsychotherapeutIn ist es stets, mit seinen PatientInnen eine optimale individuelle Behandlungsstrategie zu erarbeiten – in Kenntnis der aktuellen Studienlage. Dabei können Leitlinien eine wissenschaftlich fundierte Quelle darstellen. 
Darüber hinaus stellen Leitlinien inzwischen eine wichtige Informationsquelle für PatientInnen bzw. bei Kindern und Jugendlichen für deren Eltern dar. Für einige Leitlinien liegen auch Patientenversionen vor.  
Für viele psychische Erkrankungen wurden bereits evidenzbasierte Leitlinien erstellt.
Gerade bei psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen empfehlen die Leitlinien eine psychotherapeutische Behandlungen als Mittel der Wahl aufgrund der durch Studien nachgewiesenen Wirksamkeit.  
An der Erstellung von Leitlinien sind in der Regel viele Fachgesellschaften, Berufsverbände, Patienten- und Angehörigenvertreter, wissenschaftliche Experten und oft auch die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in einem systematischen Prozess beteiligt. Am Ende umfassen sie Empfehlungen, die auf der aktuellen Studienlage und der klinischen Expertise der Leitliniengruppe basieren und innerhalb dieser  konsentiert werden konnten.
Zu den besonderen Herausforderungen bei der Erstellung von Leitlinien gehört es, mit einem Mangel an hochwertigen Studien zu relevanten Themen und der teilweise eingeschränkten Übertragbarkeit von Studienergebnissen auf die Versorgungsrealität umzugehen sowie eine repräsentative Zusammensetzung von Leitliniengruppen zu gewährleisten.
Leitlinien sind häufig sehr umfangreiche Kompendien. Die BPtK will dazu beitragen, dass Leitlinien mit möglichst geringem Aufwand für Psychotherapeuten praxisorientiert verfügbar werden. Deshalb wird demnächst eine neue Reihe mit dem Titel „Leitlinien-Info“ veröffentlicht. Sie stellt für PsychotherapeutInnen eine Übersicht über die wesentlichen Inhalte der Leitlinien bereit. 


Die Leitlinien werden in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (
AWMF) herausgegeben und folgendermaßen eingeteilt: 
Klassifizierung von Leitlinien

Leitlinien der Mitgliedsgesellschaften der AWMF werden in drei, auf die Entwicklungsmethodik bezogene Klassen eingeteilt:
S1: von einer Expertengruppe im
informellen Konsens erarbeitet (Ergebnis: Empfehlungen)
S2: eine
formale Konsensfindung ("S2k") und/oder eine formale "Evidenz"-Recherche ("S2e") hat stattgefunden
S3: Leitlinie mit allen Elementen einer systematischen Entwicklung (
Logik-, Entscheidungs- und "outcome"-Analyse).
Nationale VersorgungsLeitlinien entsprechen methodisch der Klasse S3.

Goldstandard sind S3 Leitlinien, S2k bzw. S2e sind anerkannte Leitlinien, wenn die Entwicklung einer S3-LL methodisch nicht möglich war. S1-Leitlinien entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand de Wissenschaft.

Einen Überblick über die wichtigsten verabschiedeten Leitlinien der AWMF zu psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter finden Sie hier: 
http://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/deutsche-gesellschaft-fuer-kinder-und-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie.html


Derzeit sind folgende Leitlinien der AWMF zu psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter in Arbeit: 


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